40 Jahre THERAPEUTIKUM Heilbronn

Chronik 1971 - 2011

 

Im Februar 1971 wurde das Therapeutikum vom Paritätischen Wohlfahrtsverband in Kooperation mit dem damaligen PLK Weinsberg als erste Nachsorgeeinrichtung für psychisch kranke Menschen in der Region Heilbronn-Franken gegründet.

Bis zu dieser Zeit gab es noch keine komplementären Angebote im Anschluß an die Klinikbehandlung. Patienten wurden damals ohne weitere Begleitung entweder nach Hause entlassen, was zu vielen Rückfällen und erneutem Klinikaufenthalt führte, oder hatten bei chronischem Verlauf sehr lange Aufenthaltszeiten in den Krankenhäusern, zum Teil mehrere Jahrzehnte.

Die Gründung des Therapeutikums bildete den Anfang einer kontinuierlichen Strukturveränderung in der Region, hin zu einer gemeindenahen Versorgung und zu differenzierten Reha-Angeboten für psychisch kranke Menschen außerhalb von psychiatrischen Kliniken.

Konzeptionell wurden drei zentrale Orientierungen verfolgt:

  • Gemeindenähe
  • Personenorientierung
  • Trennung von Arbeit und Wohnen

Das Ziel: Verkürzung bzw. Wegfall von Klinikaufenthalten und eine weitestmögliche soziale und berufliche Integration.

Die Rehabilitations-Einrichtung startete in Heilbronn in der Innsbrucker Straße. Hier wohnten anfangs 10 Rehabilitanden in Mehrbettzimmern; die Tagesstrukturierung erfolgte durch Beschäftigungs- und Arbeitstherapie. Darüber hinaus waren hier auch die Büros der Verwaltung und der Betreuer untergebracht.

Der Name wurde Programm und mit kontinuierlich wachsendem Bedarf für dieses neue Rehabilitations-Konzept wuchs auch das Therapeutikum.

1976 kam es zur Trennung des Wohnbereichs vom Arbeitsbereich durch Verlagerung der Arbeitstherapie in neue Werkstatträume in der Pilgramstraße in Heilbronn. Dadurch konnten auch konzeptionell wichtige Prinzipien in der Betreuung der Rehabilitanden realisiert werden:

  • Einmal das Normalitätsprinzip
    Wohnen und Arbeiten sind getrennt; Rehabilitanden fahren morgens zur Arbeit und kommen abends nach Hause.
  • Zum anderen Hilfe zur Selbsthilfe
    Die Bewohner werden nicht voll versorgt, sondern in den hauswirtschaftlichen und sozialen Belangen ihrem Bedarf entsprechend angeleitet und gefördert.

Dies geschah zunächst in einem engmaschigen Rahmen und täglicher Betreuung. Bei Verbesserung der lebenspraktischen Fähigkeiten wurde die Betreuung schrittweise gelockert, was schließlich darin mündete, daß weitere Wohnungen angemietet wurden, in denen die Rehabilitanden relativ selbständig wirtschafteten und nur noch die Anleitung und Unterstützung in Anspruch nahmen, die individuell notwendig war.

Durch diese Wohnform – dezentrales Wohnen in verschiedenen über das Stadtgebiet verteilten Wohnungen unterschiedlichster Größe bei individuell abgestimmtem Betreuungsbedarf - wurde von Anfang an der Hospitalisierungsgefahr, die Wohnheime mit mehreren Dutzend Bewohnern in einem Haus bei Vollversorgung beinhalten, entgegengewirkt.

Bereits Ende der 70er Jahre unterhielt das Therapeutikum 100 Arbeitsplätze und eine Reihe von Häusern und Wohnungen für psychisch kranke Menschen.

Die weitere Entwicklung:

  • 1988 Anerkennung als Werkstatt für psychisch kranke und behinderte Menschen (WfbM)
  • 1989 Eröffnung der Werkstatt Richard-Wagner-Straße
  • 1990 Bezug des Verwaltungsgebäudes und der neuen weitern Werkstätten in der Kreuzäckerstraße 19-21 (dem heutigen Stammsitz)
  • 1993 Eröffnung einer weiteren Werkstatt in der Kreuzäckerstraße 20
  • 1995 Anerkennung als RPK-Einrichtung mit 10 Plätzen in der medizinischen und beruflichen Rehabilitation psychisch Kranker (RPK)
  • 2000 Eröffnung der Zweigwerkstatt Öhringen
  • 2004 Umbau des Gebäudes Kreuzäckerstraße 23 in Eigenleistung und Bezug durch die Abteilung „Stationäres Wohnen“
  • Mitbegründung des Gemeindepsychiatrischen Zentrums Heilbronn (GPZ)
  • 2005 Eröffnung der Praxis für Ergotherapie im GPZ Heilbronn
  • 2006 Umzug der Zweigwerkstatt Öhringen an den neu renovierten Standort im Brechdarrweg 46
  • Start der Umbauarbeiten des Werkstattgebäudes Kreuzäckerstraße 20
  • 2009 Wiedereröffnung des Gebäudes Kreuzäckerstraße 20 mit Werkstätten, Büros, Besprechungsräumen und Cafeteria
  • 2010 Ausbau der Therapeutikum-RPK und Zulassung weiterer Rehabilitationsplätze, jetzt 20 stationäre und 10 ambulante Plätze
  • 2011 Wiedereröffnung des zum Bereich „Stationäres Wohnen“ gehörenden komplett sanierten Gebäudes Heinrichstraße

Heute ist das Therapeutikum die größte komplexe Rehabilitations-Einrichtung für psychisch kranke Menschen in der Region Heilbronn-Franken und betreut mit 140 multiprofessionellen Mitarbeitern jährlich 400 Rehabilitanden auf ihrem Weg zu wachsender Selbständigkeit und weitestmöglicher sozialer und beruflicher Integration.

 

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